Aenne Burghardt

Das Projekt "Sprossachsen und Pflanzenstücke":



Das sagt Aenne zum Projekt "Sprossachsen und Pflanzenstücke":

Als der Fachbereich Kultur des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf mir die Chance bot, meine Fotos auszustellen, stand das Kürbis-Projekt im Vordergrund. Wie das Leben aber manchmal ist, hatte mir einen Tag zuvor das Nachbarschaftsheim Mittelhof eine Ausstellung der Kürbisse zugesagt. So etwas passiert, dachte ich mir, wollte aber die zweite Chance, die mir der Fachbereich Kultur bot, nicht verpassen.

In Eile (und wohl auch etwas aufgeregt) packte ich verschiedene Fotoserien zusammen, u.a. auch den Karton "Blumen und Pflanzen". Dass dieser leer war, sollte ich dann später merken...
Bei einem neuen Termin konnte ich dann einige Pflanzenfotos zeigen und die Ausstellung wurde zunächst für den Herbst 2001 geplant.

Nur was interessierte mich eigentlich an Blumen und Pflanzen? Hatte nicht Robert Mapplethorpe alles fotografisch Mögliche in dieser Richtung schon ausgeschöpft? Und da gibt es ja immerhin auch noch den alten Karl Blossfeldt, der mich schon bei dem Kürbis-Projekt gedanklich begleitet hatte.

Große Namen großer Könner - Heiner Müller hatte 1955 einem Gedicht die Überschrift gegeben:

Der Schrecken ist die erste Erscheinung des Neuen.

Trotz dieser Gedanken entstand das neue Projekt.

Alle Fotos wurden bei Tageslicht aufgenommen. Außer einer (allerdings guten) Kamera, einem Normalobjektiv und ein paar Zwischenringen hatte mein Equipment nicht viel zu bieten. Mit Robert Mapplethorpe war da also sowieso nicht mitzuhalten. Dafür sollten meine Fotos aber die Pflanzen auch "am Leben erhalten" und nicht der absoluten Form wegen dieses abtöten.

Für den weißen Hintergrund wartete ich oft auf das richtige Licht. Styropor diente als Aufheller. Der Karton füllte sich. Aus "Blumen und Pflanzen" wurde zunächst "Nur Natur", später wurden daraus "Pflanzenstücke", "Sprossachsen" und "Blütenstile".

Aus gestalterischen Gründen schnitt ich bestimmte Pflanzenteile weg. Manchmal habe ich ein bisschen mehr nachgeholfen. Dies hätte Karl Blossfeldt wohl nie getan. Die "Urformen der Kunst" anzutasten, hätte er wohl als Sakrileg empfunden.

Der Pflanzenkundler wird vielleicht hin und wieder seine Mühe haben, die Pflanze zu erkennen. Auch sprühte ich manchmal die ganze Pflanze mit Acryllack weiß an. Die Resultate stießen so recht jedoch nirgends auf Gegenliebe, so dass sie jetzt nicht zu sehen sind.

Die gezeigten Fotos sind meist scharf und sie schweben nicht im Raum. Der Hintergrund ist in der Regel weiß und alles ist schön in der Mitte aufgehängt, wenn es nicht gerade mal aus dieser herausfällt. Ich ging gern nah heran, aber nicht zu nah, um die Pflanze in ihrer Dimension weitgehend zu erhalten. Die Abzüge umfassen meist das ganze Negativ. Nur gelegentlich fällt mal etwas weg, das ich übersah. Das Format der Fotos ist quadratisch, d.h. nicht nachträglich dem Objekt  angepasst. Bei allem Respekt vor den großen Meistern und meiner Bewunderung.

Heiner Müller schloss sein Gedicht mit der Zeile:
und das Schöne bedeutet das mögliche Ende der Schrecken
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